Bevor eine Felge neu beschichtet werden kann, muss die alte Schicht vollständig entfernt werden. Klingt einfach – ist es aber nicht.
Denn die Wahl des Felgen entlacken Verfahrens entscheidet nicht nur darüber, wie sauber die Oberfläche wird. Sie entscheidet auch darüber, ob das Grundmaterial danach noch in einwandfreiem Zustand ist – oder dauerhaft geschwächt wurde.
Zwei Methoden dominieren in der Praxis: Sandstrahlen und chemisches Entlacken. Beide haben ihre Berechtigung. Aber nicht für jede Felge und nicht unter denselben Bedingungen.
Was beim Entlacken wirklich passiert
Beim Felgen entlacken geht es nicht nur darum, alte Farbe zu entfernen. Es geht darum, die Aluminiumoberfläche so vorzubereiten, dass eine neue Beschichtung optimal haftet – ohne das Material anzugreifen.
Das ist der entscheidende Punkt, der die beiden Verfahren grundlegend voneinander trennt.
Sandstrahlen: Wann es funktioniert – und wann es schadet
Beim Sandstrahlen wird die Felge mit Strahlmittel unter hohem Druck bearbeitet. Die alte Beschichtung wird dabei mechanisch abgetragen.
Das klingt effektiv – und ist es auch, unter bestimmten Bedingungen.
Was viele nicht wissen: Herkömmliches Sandstrahlen an Alufelgen entlacken ist in Deutschland bei Aluminiumfelgen mit aggressivem Strahlmittel offiziell nicht empfohlen. Der Grund:
- Scharfkantiges Strahlmittel rauht die empfindliche Aluminiumoberfläche auf
- Es entsteht Materialabtrag am Grundmetall
- Fremdpartikel können in der Oberfläche verbleiben und später Korrosion auslösen
- Bei pulverbeschichteten Felgen muss das Strahlmittel besonders aggressiv sein – was die Oberfläche zusätzlich belastet
Wann Strahlen sinnvoll ist:
Nach einer chemischen Entlackung kann gezieltes Glasperlstrahlen sinnvoll sein – nicht zum Entlacken selbst, sondern um Korrosionsreste zu entfernen und die Haftung der neuen Beschichtung zu verbessern. Das ist ein kontrollierter Einsatz mit dem richtigen Strahlmittel – kein Ersatz für die Entlackung.
Chemisches Entlacken: Der materialschonende Standard
Beim chemischen Felgen entlacken wird die Felge in ein warmes Tauchbad mit alkalischer oder saurer Entlackungslösung eingetaucht – je nach Beschichtungsart bei 65–90 °C.
Die chemische Reaktion löst die Lackstruktur auf, ohne das Aluminium anzugreifen.
Vorteile im Überblick:
- Kein Materialabtrag am Grundmetall
- Oberfläche bleibt glatt und strukturell unverändert
- Rückstandsfreie Entfernung auch hartnäckiger Pulverlackschichten
- Keine Fremdpartikel in der Oberfläche
- Voraussetzung für präzise Folgebearbeitung wie Hochglanzverdichten oder CNC-Glanzdrehen
Besonders bei hochwertigen Alufelgen entlacken ist dies die einzig empfehlenswerte Methode – weil jeder Materialabtrag das spätere Ergebnis der Beschichtung direkt beeinflusst.
Direkter Vergleich: Sandstrahlen vs. Chemisch entlacken
| Kriterium | Sandstrahlen | Chemisch entlacken |
| Materialabtrag | Ja – je nach Strahlmittel | Nein |
| Oberflächenstruktur | Aufgerauht | Glatt und unverändert |
| Geeignet für Alufelgen | Eingeschränkt | Ja – empfohlen |
| Rückstände | Möglich | Rückstandsfrei |
| Vor Pulverbeschichtung | Bedingt | Optimal |
| Vor Hochglanzverdichten | Nicht geeignet | Zwingend erforderlich |
| Kosten | Günstiger | Etwas höher |
Die Tabelle zeigt deutlich: Für die meisten Felgenaufbereitung Prozesse – besonders vor Pulverbeschichtung, CNC-Glanzdrehen oder Hochglanzverdichten – ist das chemische Verfahren die technisch überlegene Wahl.
Welches Verfahren für welchen Fall?
Chemisches Entlacken ist die richtige Wahl, wenn:
- Aluminiumfelgen neu beschichtet werden sollen
- eine glanzgedrehte oder hochglänzende Oberfläche folgt
- maximale Haftung der neuen Felgenbeschichtung gefragt ist
- die Felge hochwertig oder selten ist
Sandstrahlen kann sinnvoll sein, wenn:
- nach der chemischen Entlackung Korrosionsreste entfernt werden müssen
- Stahlfelgen bearbeitet werden
- Glasperlstrahlen mit dem richtigen Strahlmittel kontrolliert eingesetzt wird
Was der Fehler beim Felgen entlacken langfristig kostet
Ein aufgerautes Grundmetall haftet schlechter. Eine neue Pulverbeschichtung auf beschädigter Oberfläche hält weniger lang. Und Korrosion, die durch eingebettete Fremdpartikel entsteht, zeigt sich oft erst Monate später – von innen nach außen.
Wer beim Felgen entlacken spart oder das falsche Verfahren wählt, bezahlt es spätestens bei der nächsten Aufbereitung.
Spezialisierte Betriebe wie Mainhattan Wheels setzen deshalb ausschließlich auf chemische Entlackung – als kontrollierten ersten Schritt vor jeder weiteren Bearbeitung.
Fazit
Sandstrahlen und chemisches Entlacken sind keine gleichwertigen Alternativen – zumindest nicht für Alufelgen.
Das chemische Verfahren schont das Grundmetall, hinterlässt keine Rückstände und schafft die beste Ausgangsbasis für jede Folgebeschichtung. Sandstrahlen kann ergänzend sinnvoll sein – aber nie als alleinige Methode zum Alufelgen entlacken.
Wer langfristige Haltbarkeit will, beginnt beim richtigen Felgen entlacken – nicht erst bei der Beschichtung.
Mehr zu den eingesetzten Verfahren und dem vollständigen Aufbereitungsprozess finden Sie direkt auf der Felgenaufbereitung & Pulverbeschichtung Seite von Mainhattan Wheels.
FAQs
Warum sollte man Alufelgen nicht sandstrahlen?
Aggressives Sandstrahlen trägt Aluminiummaterial ab, rauht die Oberfläche auf und kann Fremdpartikel hinterlassen, die später Korrosion verursachen.
Was ist chemisches Felgen entlacken?
Die Felge wird in ein warmes Tauchbad mit Entlackungslösung eingetaucht. Die Beschichtung löst sich rückstandsfrei – ohne das Grundmetall zu berühren.
Welches Verfahren ist vor einer Pulverbeschichtung besser?
Chemisches Entlacken. Es hinterlässt eine saubere, unveränderte Oberfläche mit optimaler Haftgrundlage für die neue Beschichtung.
Kann man zuerst chemisch entlacken und dann sandstrahlen?
Ja – in dieser Reihenfolge macht es Sinn. Chemisch entlacken als Hauptschritt, anschließend gezieltes Glasperlstrahlen zum Entfernen von Korrosionsresten.




